Laurentius-Hora-Stiftung

Jedes Jahr, zu Beginn des neuen Schuljahres, finden in Seckau in Gedenken an Pater Laurentius Hora die Seckauer Gespräche statt. Die Seckauer Gespräche sind eine mehrtägige Veranstaltung, die sich verschiedenen theologischen oder gesellschaftspolitischen Themen mithilfe von Experten aus den entsprechenden Bereichen nähert. Organisiert werden die Seckauer Gespräche von der Gesellschaft zur Erinnerung an Pater Laurentius Hora, einer Stiftung der Gothia Seckau.

Erstmals unter Leitung des neuen Geschäftsführers der Gesellschaft Georg Petek-Smolnig beschäftigten sich die Teilnehmer bei den Gesprächen 2019 zum Thema:

Ethik am Beginn und Ende des Lebens

Im November 2018 verkündete ein chinesischer Forscher, er habe das Erbgut zweier Babys so verändert, dass sie immun gegen das Aids-Virus seien. Demnach waren Zwillinge mit künstlicher Befruchtung gezeugt und ihr Erbgut mit der Genschere verändert worden. Diese erstmals am Menschen angewandte Methode hätte das Zeug, die Welt, wie wir sie bisher kennen, zu verwandeln; und weckt dementsprechend viele Ängste und Befürchtungen.

Was bedeutet das für die Wissenschaft und die Rolle der Ethik? Was bedeutet dieser Eingriff in das menschliche Erbgut für die Zukunft der Menschheit? Diese Fragen wurden in den diesjährigen Seckauer Gesprächen erörtert.

Univ. Prof. Dr. Walter Schaupp, Leiter des Instituts für Moraltheologie an der Universität Graz und u.a. Mitglied der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt, bereitete das Thema sehr vielfältig und spannend auf. So erörterte er beispielhaft die Spannung, die sich zwischen der persönlichen Freiheit und dem Zwang bildet. In Zeiten zunehmender Liberalisierung würde der Zwang zur Leistungssteigerung, sozialer Druck und die geforderte Entwicklung des „perfekten“ Kindes zunehmen. Derartige neue Anspruchshaltungen würden zu einem Verlust an Orientierung führen. In seiner Einleitung zum Thema wies Georg Petek-Smolnig, der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erinnerung an Pater Laurentius Hora, die diese Gespräche organisiert, auf die in der Wissenschaft diskutierte Frage hin, ob solche Eingriffe in die menschliche Keimbahn aus prinzipiellen Gründen verboten sein sollten oder nicht. Forscher und Bioethiker sind sich darüber noch nicht einig. Die europäische Gesellschaft für Humangenetik etwa ließ kürzlich verlauten, dass kategorische Einwände aus ihrer Sicht nicht überzeugend seien. Doch bei dieser Frage gehe es nicht nur um ethisches Verhalten in Zusammenhang mit der Geburt eines Menschen, sondern in gleicher Weise auch um das Thema eines würdevollen Todes. Prof. Schaupp erläuterte dazu das Ethos der Kirche. Ihre Position umfasse ein Ja zur Behandlungsbegrenzung am Lebensende sowie zu einer kompromisslosen Schmerzbekämpfung,aber ebenso ein klares Nein zum assistierten Selbstmord und Tod auf Verlangen. Die Teilnehmer zeigten sich sehr angetan vom Thema und den Ausführungen von Professor Schaupp und rundeten diese Gespräche durch intensive Diskussionsbeiträge ab.

Sollten sie Fragen haben oder sich anmelden wollen, senden sie uns doch eine Nachricht über den beiliegenden Mailkasten.

Verunsicherten Menschen Hoffnung geben!

Die Aufgabe des Glaubens in einer Zeit der tiefgreifenden Umwälzungen

und gesellschaftlichen Umbrüche

Ein Artikel von Herbert Kohlmaier zu den Seckauer Gesprächen 2018

Die alljährlichen Seckauer Gespräche befassten sich vom 28. – 30. September 2018 mit der Aufgabe des Glaubens  in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen – ein Thema, das Volksanwalt i. R. Herbert Kohlmaier in seiner Einleitung als zu wenig erörtert bezeichnete. Es sei naheliegend, eine helfende Funktion der Religiosität angesichts der bestehenden und weit verbreiteten Verunsicherung zu erwarten, doch stelle sich die Frage, was „der Glaube“ heute wirklich sei und ob sich die Kirchen nicht einer kritischen Selbstüberprüfung stellen müssten, bevor sie sich an die Welt wenden.

FURCHE-Herausgeber Prof. Heinz Nußbaumer befasste sich mit dem Phänomen der vielfach bestehenden Ängste, deren Ursachen zu erkennen und Fluchtwege daraus zu suchen seien. Offenbar fehle es an einem „sozial gesteuerten Miteinander“, wie es in den Jahrzehnten nach dem Weltkrieg vorhanden gewesen sei, an einem Grundvertrauen. Distanz erzeuge Angst, dagegen seien Nähe, Sympathie und Mitgefühl zu stärken. Papst Franziskus sei ein Papst der Ängste wegnehmen wolle. Eine Theologie der Hoffnung, die untrennbar mit dem Glauben an die Auferstehung verbunden sei,  müsse unter anderem den Wert der Dankbarkeit bewusst machen, aber – so fügte Nußbaumer hinzu –brauche es auch wieder mehr humorvolle Gelassenheit, und ganz besonders der „Kleinkraftwerke“ der Nächstenliebe  

Der emeritierte Bischof Dr. Egon Kapellari erklärte, Hoffnung könne man den Menschen nicht eintrichtern, aber sie sei einander zuzumuten. Die Menschheit befinde sich auf der Suche nach der Zukunft und gerade Katholiken seien weltweit herausgefordert, die „Kraft zum Trotzdem“ zu entwickeln. Christen müssten wetterfest sein, die Verbundenheit mit Christus entwickle eine fortbestehende Dynamik. Zu den bestehenden Problemen der Kirche, die nicht schöngeredet werden dürften, stellte Kapellari fest, dass es viele kleine Gemeinschaften gäbe, die eine Stellvertreterfunktion für das Christentum ausüben könnten. Katholisch bedeute synthetisch und erfordere das Gleichgewicht zwischen dem „sowohl als auch“ und dem „entweder oder“, welches aber seltener sein müsse.

Übereinstimmung bestand bei den Gesprächsteilnehmern, von denen viele in der praktischen Seelsorge wirken, darüber, dass mehr über den Glauben als über Strukturen geredet werden solle. Das erfordere auch eine zeitgemäße Sprache der Kirche. Dieses Thema soll im Mittelpunkt der nächstjährigen Zusammenkunft stehen.

 

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